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Vereinsgeschichte

Zur Frage des fastnachtlichen Brauchtums in Ersingen muß man zurückgehen bis mindestens zum Jahr 1532,  als zum ersten Mal der Flurname „am schyblechten bletz“ erwähnt wird. Was hat aber das Scheibenschlagen oder Scheibenjagen mit der Fasnet zu tun?

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Scheibenschlagen

Das Scheibenschlagen ist ein vorchristlicher, altheidnischer Brauch, wobei die glühenden Holzscheiben, die in Folge des Aufschlagens durch das Dunkel hinaus ins Tal fliegen, als Symbole des Sonnenrades zu verstehen sind. Die Alemannen erhofften sich durch diese Sonnwendfeier ein ertragreiches Jahr. Begleitet wurde das Scheibenschlagen durch folgenden Vers:

Scheibehut, Scheibehut,
üwer Ägger un‘ Rain,
wem soll die Scheibe sein?
Sie gaiht links,
Sie gaiht rechts,
sie gaiht meim Schatz ewe recht.

Diese und andere uralte Traditionen wurden in Ersingen seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weiterüberliefert, ohne daß sie durch eine Organisation gepflegt wurden. Durch beide Weltkriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schwer erschüttert, drohten diese Brauchtümer in Abgang zu geraten. Schon 1937 forderte der Ersinger Ehrenbürger und Heimatforscher Gustav Adolf Reiling, daß sich ein Verein dieser Traditionen annehmen solle.

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Helmut Klingel, Erster Präsident der K.G. „Fledermaus“

Erst im Jahre 1956 erfolgte die Gründung der „Karnevals-Gesellschaft“, obwohl das älteste Protokoll, das sich in den Akten der Karnevalsgesellschaft befindet, vom 28. Februar 1954 stammt. Der Zusatz „Fledermaus“ wurde 1959 ins Vereinsregister eingetragen und geht auf eine Anregung von Rudolf Klingel zurück.

Die Namensgebung beruht hauptsächlich auf der Tatsache, daß die Fledermaus ein nachtaktives Tier ist, das sich auf engstem Raum zu bewegen weiß – ohne jedoch anzustoßen. Darin ist schon eine Maxime der „Irschinger Fasnet“ enthalten – sie ist fröhlich und ausgelassen, ohne anstößig zu sein. Zur Gründungssitzung fanden sich am 26. Mai 1956 im Gasthaus „Zum Amtskeller“ folgende Personen ein:

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Hexenverbrennung

Helmut Klingel, Bruno Haller, Julius Lamprecht, Bernhard Rapp, Fritz Jost, Ernst Reiling, Kurt Fink, Franz Schuster, Otto Kirchhoff, Ewald Reiling, Bruno Frei, Werner Brenk, Theodor Anselment, Herbert Schuster, Alfons Reiling, Armin Vögele, Rudolf Klingel und Rudolf Frei. Zur Generalversammlung im folgenden Jahr waren schon 85 Personen der Einladung des ersten Präsidenten Helmut Klingel gefolgt.

Helmut Klingel war bis zu seinem unerwarteten Tod im Jahre 1963 mit einem Jahr Unterbrechung (1961/1962 hatte Walter Schneider das Präsidentenamt inne) Präsident der „Fledermaus“. Bis zur nächsten Generalversammlung im Jahre 1964 übernahm Vizepräsident Ernst Reiling kommisarisch das Amt des Vorsitzenden. Ihm folgten als Präsidenten folgende Personen:

1964-1977 Egon Brenk
1977-1979 Walter Klingel
1979-1993 Kurt Wickenhäuser
1993-2007 Rolf Schuster
ab 2007 Dirk Steiner

Heute zählt der Verein mehr als 600 Mitglieder. Die alten Bräuche wie das Scheibenschlagen, die Hexenverbrennung oder die Erstürmung des Schulhauses sind noch immer zentrale Eckpunkte der „Irschinger Fasnet“. Auch die im November zum „Elften im Elften“ und die zu Beginn der Kampagne stattfindenden Prunksitzungen zur Eröffnung sowie der Große Umzug am Fasnetssonntag zählen ohne Zweifel zu den großen Höhepunkten der Fasnet in Ersischo – einem Dorf, das seine Fasnet auf altüberlieferte Traditionen stützen kann.

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