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Nach 19 Jahren nimmt die von Nina Zettelmayer, Patricia Fritsch und Melanie Kern-Fritsch trainierte große Garde mit einem aufwendig einstudierten Tanz ihren Abschied von der Bühne. - Nico Roller

Auftakt mit Attraktionen und Emotionen

Mit Tanz, Humor und einem neuen Orden startet die Ersinger Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“ in die heiße Phase der Fasnet. Bei ihrer großen Prunksitzung verabschiedet sie nach 19 Jahren die große Garde von der Bühne.

Schon nach der Zugabe haben viele der Tänzerinnen die ersten Tränen in den Augen. Nach einer mitreißenden, von Schwung und Anmut geprägten Choreografie stehen sie in ihren eleganten, funkelnden Kleidern auf der Bühne nebeneinander, während der Applaus im Saal immer lauter, kräftiger und fordernder wird. Die Eröffnungsprunksitzung der Ersinger Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“ endet mit einem emotionalen Moment, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Nämlich mit dem letzten Auftritt der großen Garde, die damit nach 19 Jahren ihren Abschied von der Bühne feiert. Das Publikum erhebt sich von seinen Stühlen, die Aktiven der Fledermaus bedanken sich mit einem umgedichteten Lied und mit einer Rede, in der Präsident Dominik Kern auch an die Freundschaft erinnert, die im Lauf der Zeit zwischen den Tänzerinnen entstanden ist, die sich im Oktober 2007 als frisch eingeschulte Mädchen zum ersten Mal zum Training getroffen haben. Ihren letzten Tanz absolvieren sie gemeinsam mit ihren Trainerinnen Nina Zettelmayer, Patricia Fritsch und Melanie Kern-Fritsch, die ihnen nicht nur Schritte und Choreografien, sondern auch Teamgeist, Disziplin und Zusammenhalt beigebracht haben. Unterstützt von den Rollkunstläuferinnen des RRMSV Kieselbronn, unternehmen die Tänzerinnen eine Reise durch die Zeit, vorbei an vergangenen Auftritten und Kostümen.

Es ist der krönende Abschluss eines kurzweiligen Programms, das mehr als drei Stunden voller Tanz, Humor und Musik bietet. Während die kleine Garde in ein schneebedecktes Winterwunderland entführt, gibt es flotte Märsche nicht nur von der mittleren, sondern auch von der Mini-Garde, die am Wochenende zum ersten Mal an der großen Prunksitzung mitwirkt. Nach ihrem umjubelten Auftritt sind die jüngsten Tänzerinnen die ersten, die den neuen Jahresorden erhalten. Gestaltet von Loris Drexler, thematisiert er die Freundschaft zwischen der KG Fledermaus und dem Ersinger Musikverein, der von Anfang an Teil der Fasnet ist. Etwa durch einen eigenen Maskenball, durch eine Gruppe bei den Umzügen und durch das Mitwirken an allen Veranstaltungen von der Feier mit der Lebenshilfe bis zum „letzten Ton des Kehrausballs“. Etliche Kapellen für die Maskenbälle hat der Verein der Fledermaus schon beschert, dieses Jahr mit Monja Bischof sogar die Prinzessin. Auf dem Orden würdigt man den Musikverein mit drei Fledermäusen, die „Viva Viva Ersischo“ spielen, während sie gelb-rote Strickmützen, blaue Hemden und rote Halstücher tragen: genau die Klamotten, die auch die Musiker bei ihren Einsätzen in der Fasnet anhaben.

Wie das aussieht, zeigt Simon Lehr, der mit Maren Kallenberger zudem beweist, dass ein Orden in Ersingen deutlich mehr ist als „eine Glaubensgemeinschaft von Nönninnen und Nonnen“ und prinzipiell alles zeigen darf, nur „den Bürgermeister nicht und vor allem keinen Kakadu“. Letzterer soll schließlich vom Aussterben bedroht sein. Zumindest behauptet das die Künstliche Intelligenz, die von der Gruppe „Femmetisch“ stammt und sich unheilvoll mit einem geschlechtsneutralen Haushaltsroboter und einer Alexa-Box verbündet. Letztere kann nicht nur singen, sondern weiß auch genau, wann ein Mann einen Euro wert ist: „Wenn er einen Einkaufswagen schiebt.“ Mit dem Haareschneiden kennen sich dagegen Pascal Reiling und Raphael Reich bestens aus. Zumindest behaupten sie das, als Elena Morlock und Svea Melcher den Friseursalon betreten, den sie „Ryanhair“ getauft haben. Eigentlich hätte er „All Cuts Are Beautiful“, kurz ACAB, heißen sollen, aber irgendwie ging das nicht. Eine „wunderbare Blondierung“ aus dem Sektkühler gibt es bei ihnen ebenso wie Einhorn-Umhänge und Haarschnitte für Menschen ohne Haare. Wie gut, dass wenigstens Bürgermeister Thomas Maag den Durchblick behält und in gereimten Versen die größten Projekte der vergangenen Monate anspricht. Egal, ob Neubaugebiet Bell, Wasserversorgung, Bürgerhaus oder Breitband: Ihm fällt zu allem etwas ein. Allerdings nicht während der fünften Jahreszeit. Denn Maag weiß: „Jetz‘ isch Fasnet und sonsch isch nix.“ – Nico Roller