Du betrachtest gerade Großes Fest für kleine Narren
Ihre Lieblichkeit Lara die Erste und seine Tollität Julius der Zweite regieren in Ersingen ab sofort die junge Narrenschar. Beide sind neun Jahre alt und freuen sich auf die kommenden Wochen. - Nico Roller

Großes Fest für kleine Narren

In Ersingen gestaltet der Nachwuchs die Kinderprunksitzung weitgehend selbst: Es ist ein Programm von Kindern für Kinder.

Irgendwie will der Kartentrick einfach nicht recht hinhauen. Die Sieben, die Acht, die Neun, die Zehn und das Ass sind zwar da. Und auch der Bube müsste noch irgendwo hinter der Bühne sein. Nur der König und die Königin sind nirgends aufzutreiben. Was macht man da? Ganz einfach: Man findet zwei Regenten, die noch deutlich besser geeignet sind, um die junge Narrenschar in Ersingen zu regieren: eine Prinzessin und einen Prinzen, genauer gesagt ihre Lieblichkeit Lara die Erste und seine Tollität Julius den Zweiten, beide neun Jahre alt und hochmotiviert. „Stimmung, Jubel und Heiterkeit sollen herrschen die ganze Fasnetszeit“, ruft das neue Kinderprinzenpaar der Ersinger Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“ am Sonntagnachmittag in die aus allen Nähten platzende Turn- und Festhalle. Bei der Kinderprunksitzung lassen die beiden Nachwuchsregenten keinen Zweifel, was sie von ihren Untertanen erwarten: „Seid fröhlich und schreit’s hinaus: Es ist Fasnet bei der Fledermaus.“ Unzählige Kinder und Jugendliche sind in die Halle gekommen, die meisten mit ihren Eltern, fast alle in kreativen Verkleidungen. Prinzessinnen tummeln sich vor der Bühne, Feen, Elfen, Polizisten, Cowboys und Football-Spieler.

Gemeinsam freuen sie sich auf das bunte, abwechslungsreiche Programm, das allerdings erst starten kann, nachdem Kevin Reich mit den Kindern eine Stimmungsrakete gezündet hat. Von Fledermaus-Urgestein Bernd Bachert hat er gelernt, dass man dazu zuerst kräftig in die Hände klatschen, dann mit den Füßen auf den Boden stampfen und schließlich laut schreien muss. Die Kinder machen eifrig mit – und staunen anschließend nicht schlecht über den Tanz, die Musik und die ausgefallenen Kostüme. „Wir wollen dem Nachwuchs richtig etwas bieten“, sagt Chris Hunter, der mit Karina Hölzle, Dominik Kern, Kerstin Reich, Luca Zimmermann, Colin Frey, Andre und Timo Brenk die Fäden in der Hand hält. Er berichtet von einer guten Stimmung und einem reibungslosen Ablauf, ermöglicht von unzähligen engagierten Ehrenamtlichen. „Zur Fasnet kommt das ganze Dorf zusammen“, sagt Dominik Kern, der als Präsident während der Prunksitzung auf der Bühne sitzt und nach den Auftritten die Orden verteilt, zum ersten Mal unterstützt vom Jungkomitee. Neu dabei sind auch die „Super Kids“: sieben Freunde aus dem Ort, die sich zusammengetan haben, um bei ihrem Auftritt als Minions die verschollene Fasnets-Banane wiederzufinden. Sehr zur Freude des Publikums, das für alle Gruppen tosenden Beifall spendet.

Ein „Programm von Kindern für Kinder“ soll es sein, gestaltet von Mitwirkenden vom Kindergarten- bis ins Teenager-Alter. Monatelang haben die Organisatoren getüftelt und gefeilt, immer mit tatkräftiger Unterstützung zahlreicher befreundeter Vereine und Organisationen aus dem Ort. „Bei uns greift alles ineinander“, sagt Kern, der weiß, dass sich die Mitwirkenden immer riesig auf ihre Auftritte freuen. Etwa das Jugendorchester des Musikvereins, das flotte Stücke zum Besten gibt, während es mit den Tanzmäusen des Turnvereins sowohl zu ABBA in die Siebziger als auch in den Wilden Westen geht. Der katholische Kindergarten Sankt Michael stellt nicht nur tanzende Schneeflocken, sondern auch die Traditionsfiguren der Ersinger Fasnet vor. Einen flotten Marsch zeigt die Mini-Garde, die Kern nach ihrem Auftritt zur kleinen Garde befördert. Nach dem Abschied der großen Garde rückt sie ebenso nach wie die kleine Garde, die ab sofort zur mittleren Garde wird. – Nico Roller